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Wie Menschen miteinander umgehen:

Wir klopften an die Tür, welche bereits den ganzen Samstag aufgestanden hatte. B. rief in die Wohnung meines direkten Nachbarn hinein, doch darauf antwortete niemand. Es brannte Licht. Im Flur standen Schuhe. Ich erinnere mich daran, dass auf einem Schreibtisch Schampoo auf seinem Kassenbon stand. B. rief erneut und erneut reagierte niemand. Auf Grund von diversen Vorfällen am Rande der Nachbarschaft, in der ein Betrunkener Besucher mein Waschpulver durchstöberte und um die Waschmaschine ungefragt Platz machte indem er die Gegenstände auf dem Hausflur verteilte oder in dem Fall, als ein hoch- und breitgewachsener Mensch mehrere Male unaufhörlich gegen Nachbars Tür hämmerte – auf Grund genau solcher und mehrerer kleinen Merkwürdigkeiten – war ich wie versteinert, doch B. Betrat die Wohnung und sah in den beleuchteten Raum. Niemand dort. Wir lehnten dann von außen die Tür an und gingen in meine Wohnung. Ein kleiner Fall am Rande wie jeder andere. Dann erzählt mir B. von Stress und dem Paradoxon des kleinen attraktiven Spielers ohne Selbstliebe oder Vertrauen in seine Person, was ihm ja auch nie gezeigt wurde und eben dieses verlebte Kerlchen muss nun hinnehmen, dass die Eltern von denen er Liebe brauchte als es nötig war und denen er nun wie durch ein Schutzschild reflektiert dass in der Hinsicht keine Fürsorge mehr angenommen werden will - ja dass die Menschen vor denen er Furcht empfunden hat sich nun mehr als fürsorglich und liebevoll um seine Freundin bemühen, die von ihrem tollen Tag mit seinen Gefühlsfeinden berichtet. Ein merkwürdiges Gefühl ohne Gleichen! Ich kann nur ansatzweise empfinden wie es sein muss, nur vergleichen, nur zuhören und lieb haben. Vielleicht ihm verzeihen, was er sich selbst nicht verzeiht. Aber ich weiß keinen Rat. Das ist so oft so. Ich will für Menschen da sein und kann nicht weiter helfen. Das Leben ist schön, dass es einfach ist hat niemand behauptet. Gut, dass das Leben aus vielen Facetten besteht. Schön ist, dass ich immernoch und wieder mit B. befreundet bin. Egal was in den letzten zwölf Jahren war, es wird immer so sein, dass wir uns wieder fangen. Das ist es, was ich an Freundschaft so schätze. Distanz, weder in Zeit noch Raum und jeglicher Streit sind irgendwann bloß Kleinigkeiten und die Freundschaft ist mehr wert. Menschen sind so wertvoll. Besonders jene, die einem gut tun. Mir wurde vor Jahren von meiner Schwester empfohlen mich von Menschen zu befreien, die Energie fressen. Das laugt aus, weil man die Energien doch viel besser anders kanalisieren könnte. Ich kann das nicht. Schieben wir das mal auf Verlustängste. Aber manche solche Menschen will man nicht aufgeben und hofft das sie nur phasenweise solche Menschen und anderenfalls wohltuende Energieauflader sind. Das wird man doch hoffen dürfen! Dann wenn es um den eigenen Bruder geht bestimmt. Aber ich sprach mich mit meiner Mutter aus und sie riet mir ein Schutzschild gegen Energiesauger aufzubauen, solange ich es brauche. Härte für Erholung. Ich? Das ist wie zu hören, dass diese Gesellschaft keine mitfühlenden Menschen braucht. Nutzlose Geschöpfe, diese herzlichen Wesen. Tatsächlich gestehen sie jedem Menschen Fehler zu, die Gesellschaft ihnen aber nicht. Looser. So fühlt es sich an in dieser Soziografie. Man kennt sich nicht mehr richtig und in der Wegwerfgesellschaft werden nichteinmal Beziehungen repariert und es wird hingenommen, weil es die Norm ist und niemand sieht was hinter den Menschen für Geschichten stecken. Man kann den Leuten eben nur vor den Kopf gucken und die Menschen nehmen nur war was sie selber sehen und hören und es steht oft im Zwiespalt mit der Wahrheit. Aber dadurch erdenkt man sich nach und nach ein paar wenige Dinge und Schubladen. Das tut doch jeder. Am Montag erfuhr ich durch N., dass unsere Nachbarinnen von oben die Polizei gerufen haben, weil keiner wusste was mit dem Nachbarn neben uns war. Mehr wissen wir auch nicht. Bis jetzt nicht. Nur, dass er wohl tot ist.

2.2.16 23:55


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