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Von Aliens entführt und ausgetauscht - Der Kinder Ehre sind ihre Väter

Im kommenden Monat werde ich siebenundzwanzig. Jetzt erst lerne ich meinen Vater kennen. Eine Version, die ich nie vermutet habe. In meinem ganzen bisherigen Leben, seit meinem siebten Lebensjahr war er selten väterlich und wenn, dann nur äußerst eilig und meist bloß materieller Natur. Er schreit am Telefon und versteht keine Gefühle. Er zieht über alles Herr, aber auf ihn ist Verlass. Ich lerne neue Seiten an ihm kennen, doch er überfordert mich. Stolz bin ich, dass ich nicht vor ihm weine – kein einziges Mal – aber es ist so nüchtern, dass ich ein bisschen ein anderer Mensch sein muss. Meinen Charackter zurückstellen und „erwachsen sein“. Das schlimmste ist, dass ich die Kompetenzen, welche er von mir erwartet niemals erworben habe. Meine Mutter erliegt einer chaotischen Ordnung und brachte mir solche Dinge nicht bei. Sie tat alles was sie tat aus Liebe zu ihren Kindern und sie tat alles was sie konnte und für das Beste hielt. Aber eben nur das. Mein Vater hat eher meinen Ordnungssinn, aber übertreibt es dann doch etwas. Er Plant alles durch und sichert sich ab. Er finanziert Dinge mit Mitteln, von denen ich keine Ahnung hatte. ...und er Plant mich mit ein. Ein großer Plan, der meiner Mutter das Herz bräche, laut meinem Vater aber meinen Erwerb und „die Zukunft unserer Erben“ sichert. Er erzählt mir Geschichten von meinen Vorfahren, so wie ich es mir immer gewünscht habe, aber ich misstraue ihm, denn es ist so unendlich viel gewesen. Ein auf und ab. Jedoch trotz dem Herzrasen und der weichen Knie wollen meine zittrigen Hände daran arbeiten. Konflikte schaffen immer neue Kompetenzen in uns. Wir lernen. Ich lerne. Die Ansprechpartnerin für Studentenkoorperationen meiner Arbeitsstelle, welche anscheinend in den letzten Monaten unkonzentriert wirkte, aber an die man glaubt. Ich bin Tante K., die auf die Frage antworten soll ob der biologische Vater eines fünfjährigen Sensibelchen seinen Halbbruder jetzt auch nicht lieb hat. Zuhause bin ich die einzige deren Augen die Fähigkeit des Drecksehens und deren Körper die Überzeugung des Arbeitens hat, die den Dreck jetzt ewig liegen lässt um zu gucken wo die Grenze ist. Von den Ähnlichkeiten zwischen mir und Papa bin ich ganz verwirrt, von seinen Erwartungen überfordert und so entstehen in mir viele Ängste. Ich brauche jemanden, der hinter mir steht oder ich muss hinter mir stehen. Wie kann ich mir allein Disziplin einprügeln? Wie kann ich meine Charackter so ändern, dass ich das schaffe und allen Erwartungen entspreche? Oder bin es dann nicht mehr ich, obwohl ich das sein wollen würde? Wie werde ich beides? Oder zuerst: Wie werde ich meine Ängste los? Erstmal ist es stressig im Weihnachtsgeschäft und dann kommt Weihnachten und dann kommt man unter Leute und ich werde kaum Zeit haben das für mich zu Ordnen, aber einen zerebralen Urlaub kann ich mir nicht erlauben. Ohrfeigen sollte ich mich dafür dass ich mich hängen lasse, aber ich kann nicht alles auf einmal. Innerer Konflikt.

15.12.15 21:12


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