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Zugfahrten zu Seminaren sind anstrengend. Nicht, weil die Zugfahrt an sich anstrengend wäre, sondern weil ich lange mit mir alleine bin und es anstrengend ist mit mir alleine zu sein. Ich bin ein geselliger Mensch, weil mich – wenn nicht Arbeit oder Menschen – nichts davor bewahrt mit mir alleine zu sein. Es ist nicht so, dass das Thema C. Zurück kam. Eher war ich überrascht, als ich über das Mit-mir-Alleinsein grübelte, dass dem nicht so war und dass dem schon länger nicht so war. Da kann ich stolz auf mich sein, würde B. mir sagen. Stolz bin ich nicht. Jetzt wo ich den C., den ich liebte gedanklich von dem, der jetzt ist unterschieden habe, wird mir die Person an sich egal. Dabei wollte ich doch das Gute ehren und in wohliger Erinnerung halten. Ich beginne zu vergessen, aber das glaube ich mir nicht. So bin ich nicht und will ich nicht sein. Er war Jahre lang die Liebe meines Lebens und ich wurde groß mit ihm – das kann ich nicht vergessen, denn dann würde ich meine ersten Schritte zum Erwachsenwerden vergessen. Damals hatten wir doch so viel Spaß! Ich konnte mit ihm herzlich lachen. Von Herzen. Mein Herz hat gegenwärtig eher ein anderes Bluten. Auch wenn er sehr träge und faul ist und vom Tellerrand des Denkens nicht zur Empathie überspringen kann, liebe ich N. sehr. Er macht mich innerlich ruhiger. Ausgeglichener. Ebenfalls befriedigt er mein inneres Drängeln mich um jemanden zu kümmern und ihm hinterher zu räumen, sagt B. darüber. Gegenüber seinen Freunden fühle ich mich angenommen und sie wachsen mir ans Herz. Bloß ist da dieses eine Denken in mir, welches mir einzureden versucht ich käme mir in der Beziehung nicht erfüllt vor und dieses Denken erinnert sich daran, dass meine Freunde mir an meinem Geburtstag von ihrer Ahnung beichteten, dass N. nicht der Deckel zu meinem Topf sein könnte. Mir fehlt die Erfüllung des Tagtraumes in dem es eine Liebe gibt, die man merkt. Ein Gefühl, dass man über Vertrauen, Hingabe, Miteinander, Zukunft und die Art zu Denken nicht mehr reden muss, weil alles passt und ich utopischerweise wissen kann, dass die Kinder, welche ich in der hypothetischen stabilen Zukunft mit der geliebten Person habe, auch hinter meinem Rücken genau so erzogen und respektiert werden, wie in meinem Sinne. Hannover ist eine Stadt, in der sich am Hauptbahnhof und der näheren Umgebung unglaublich viele Menschen tummeln, aber ich habe die Erkenntnis allein auf der Welt zu sein, denn mit wem ich auch immer zusammen sein werde, er würde nie ein Deckel sein, der perfekt schließt. Vielleicht, weil es das gar nicht gibt, oder weil ich es nicht verdiene, weil ich vermutlich den eigentlich dazugehörigen Deckel zum Topf hab fallenlassen, sodass er zerbrochen ist. Aber vorrangig, angesichts der Tatsache, dass niemand mich so kennen kann, dass er mich kennt und liebt. Ich kenne mich manchmal selbst nicht. Früher wollte ich immer Familie und nun habe ich Angst, sie nicht zu lieben. Ich vermisse meinen Bruder, der lacht wenn ich lache und sich für meine Interessen interessiert und der mich begeistert, weil wir ständig an das Gleiche denken. Ich liebe ihn unendlich. Trotz dingen, die ich nicht verstehen kann oder nicht gut finde. Bloß kann ich mir nicht vorstellen einen Mann und meine Kinder mehr zu lieben als meinen Bruder oder als B., wenn er meine spiegelnde gute Fee ist oder wenn er mich euphorisiert mit seiner Laune oder mehr als A., die obgleich der Stimmungsschwankungen meine ganze Welt sein kann. Wenn ich sage, dass sich mein Herz leer anfühlt, dann meine ich vielleicht eher schwer und ausgeschöpft und an der Stelle, an der es wachsen könnte versteinert oder... schwer zu sagen. Mir kommt nun in den Sinn, wie ich A. erinnerte, dass ich in sie verliebt gewesen bin, als sie meinte, dass sie niemand liebe wie sie ist, den sie lieben mag und sie entgegnete mir sie wünsche sich manchmal es sei so noch. Für die Freundschaft und das Vertrauen und unsere Gesundheit wäre das nicht gut. Wir sind beide anstrengend. Gerade, weil ich Parallelen erkenne. Es äußert sich nur anders. Trotzdem verstehe ich mehr, als sie vielleicht denkt, wenn ich einmal richtig zugeordnet habe. Es unterscheiden sich unsere Arten des Denkens an sich, aber ich empfinde mit ihr. Es äußert sich auch bei meinem Bruder anders als bei mir, obwohl beide Therapien uns als depressiv mit manischen Ausbrüchen und „leidende Scheidungskinder“ beschrieben. Neben dem „Mittleren-Kind-Syndrom“ und Verlustängsten und da herrührenden Bindungsschwierigkeiten sind das auch nur Worte auf einer Liste von einem Fremden, der mich einschätzen und kennenlernen soll um mir Bewältigungsansätze beizubringen. Ich befürworte Therapien, jedoch sagte der Pavian schon zum König der Löwen, dass da mehr ist als du siehst. Das kann vielleicht niemals irgendjemand auf dieser Welt, außer mir. Aber wenn dem so ist, ist jeder Mensch allein auf der Welt.

3.11.15 22:25


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