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Nichtmal 1.000 Tage - die Stimmen aus den Lautsprechern als Anzeichen für Vakuum.

„Telefonstimme“. So nennt N. Es, wenn ich in dieser übertrieben höflichen Art telefoniere. Ich hab das so gelernt. Das bekomme ich nicht raus. Angewohnheit. Manchmal heißt das auch „Kleinkinderstimme“. Dann zum Beispiel, wenn ich meinem Neffen etwas genau erklären möchte. Folglich bedeutet das laut N., dass meine Stimme Arbeitskollegen und Kunden und Telefongesprächspartner allgemein als Kleinkinder anspricht. Auf der Arbeit kriege ich Komplimente für Durchsagen und die Stimme, die so „motivierend“ und „samtig weich“ ist. Schleimer. Ich fühle mich geschmeichelt. Meine Telefonerziehung ist also doch erfolgreich. Zickig bin ich nur selten in der Telefonzentrale. Manchmal muss das sein. Wenn ich eine Statusanfrage bekomme, während ich die Ausführung versuche, kann das ja nur aufhalten. Aber momentan bin ich generell zickig. Mehr als sonst. Wegen dieser Grundstimmung. Ich möchte nicht alleine sein und nicht im Getümmel und nicht dem Alleinsein mit Einzelpersonen ausgesetzt. Am besten so, dass ich mich nicht mit meinem eigenen Inneren oder dem Charakter von Menschen, die mich anstrengen beschäftigen muss. Schwierig, wenn man für Freunde da sein möchte, die Probleme haben. Aber noch schwieriger sich mit denen zu unterhalten, denen das Mama-typische „stell dich nicht so an“ auf die Stirn geschrieben ist. Mein glücklichster Moment in den letzten Wochen? - Im grünen Winkel mit B. zu weinen und ganz real zu fühlen, dass er versteht was ich meine. Den Zwiespalt zwischen dem was der Seele gut tut und Betrug an Lieben und sich selbst und die Zweifel jemals etwas Gutes einem kleinen Menschen so weiterzugeben, dass dieser darauf Besseres aufbauen kann ohne von seinen Eltern so enttäuscht zu sein, wie diese von ihrem Leben selbst waren und sind. Wie kann Zukunft „Plan A“ sein, wenn alles was ich bisher erreichte höchstens „Plan C/D/E/...“ war? Irgendwie schwer zu glauben, dass mit mir etwas Gutes entsteht, wo ich so eine Schlampe war. Klein M. kommt es im Laden so vor, als würde ich immer strahlen. Das sagen viele. Ich schwirre überall rum. Menschen arbeiten gerne mit mir. An mir prallt alle Schlechte einfach ab und verglüht in dem Licht um mich. Menschen, nein, meine Aura ist bestimmt ein schwarzes Loch in dessen Vakuum alles gesogen wird, was mich herunter brächte. Schlechten Menschen geht es immer gut. Während Einzelaufgaben in der Nase das Kribbeln vom Austeigen von Tränen zu fühlen ist während schichten normal! Liebe Menschen, vielleicht kann ich gut verstecken, was ich ungern auf den Präsentierteller lege und ich liebe es, dass ihr mir das abkauft! Ich bin unerreichbar, wenn ich es sein will. Ist das „durchtrieben“? Es ist ja nicht so als sei ich damit alleine. Meine gute A. sagt ab und an sie sei der Teufel. - „Der Teufel liebt euch.“ Ich liebe meinem Teufel. Ich spiele regelmäßig mit dem Teufel. Kniffel, Rommé und Durak und eher miteinander als gegeneinander, aber wenn man der „Veranda-Theorie“ von „How I met your mother“ glaubt, dann passen der Teufel und ich auch recht gut in ein gemeinsames Leben. Manchmal höre ich in meinen Gedanken Analogien, die irgendwer einmal anführte und es klingt butterweich die Stimme des Teufels durch die Bässe vom abendlichen „Energy – Dance – webradio“ bis in meine Gänsehaut. Wenn B. hier ist läuft es stundenlang und nur Musik, Erinnerung, Essen, Gras und Wiese sind noch spürbar und dann kann ich selbst das Vakuum meiner Aura fühlen, welches einfach einsaugt womit ich mich nicht beschäftigen will. Mal schauen ob das heute gelingt. Party hinterm Hof meines Vaters. Er ist in der Klinik. Ich mag auch nicht wirklich aufm Dorf sein.
12.9.15 18:51


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