Start Archiv Abo
Vergangenheit vor 15 Jahren und Gegenwart - Vielleicht "kannte" ich A. schon früher!

Ein ruhiger, großer, ansehnlicher und grauhaariger Mann und seine sympathische Kurzhaarblondine stehen mir gegenüber und ich befrage beide für unsere Azubi-Projekt-Umfrage, als B. in unsere Nahe hinter mich tritt und uns interessiert zuhört. Die beiden waren mir schon anfangs sympathisch und antworten mir überlegt und ausführlich auf die Fragen, die ich ihnen zum Markt stelle. Als ich mich bedanke und verabschieden will, schaut mich die blonde Frau länger an. Lächelnd fragt sie mich: „Und Sie sind Frau G.?“ Ich antworte zurück-lächelnd mit „Ja“ und sie lächelt mehr als zuvor: „Dann sind Sie die Großnichte von Frau P.?“ Ich lächle nicht mehr. Innerlich erschrak ich und war gleichzeitig unheimlich erfreut und geehrt, weil mich jemand ausgerechnet dahin zuordnete. „Aber Tante Helm ist schon mehr als neun Jahre tot.“ Meine Augen fühlen sich an wie immer, wenn ich mit anderen Menschen über sie rede. So als würden ganz langsam schleichend sehr warme Tränen aufsteigen, aber noch zu langsam um zu fließen... „Ja, das weiß ich. Das ist auch lange her, da waren Sie noch so klein...“. Mit der Hand zeigt sie eine kindliche Größe an. „Vor fünfzehn Jahren sind wir dort ausgezogen, aber als ich den Namen sah und Ihr Gesicht – Das passt schon!“ Sie und ich unterhielten uns noch über die Tatsache, dass ich damals eine Brille trug und beinahe jeden Tag sehr viel Zeit bei Tante Helmi blieb und dass ich einen jüngeren Bruder habe. „So etwa drei Jahre jünger?“ - „Dreieinhalb.“ Der Mann nickt, bejaht und lächelt sehr liebevoll in Erinnerung. „Wir haben daneben im Haus von Frau P. gewohnt. Im ersten Stock.“ An dieser Stelle fühle ich mich innerlich hingerissen von der beidseitigen positiven Erinnerung. Ich fühle mich glücklich, dass mich die Frau erkannt hat. Der Atem von B. haucht mir nun hämisch über die Schulter: „Das ist A.'s Onkel!“. Wieder erschrecke ich innerlich! „Von A.? A.'s Onkel??“ Der Mann bejaht. Wir verabschieden uns freundlich und ich sehe B. noch einmal erstaunt an. „Das ist der Bruder von F.?“ B. erzählt mir vom Spitznamen und der dazugehörigen Geschichte. Ich hab den doch auch schon mal gesehen. Das ist zwar länger her und man stellte sich nicht mit Nachnamen vor, aber... seine Liebste hatte mich doch am Gesicht erkannt! Ich war baff. Noch mehr, als mir dann später am gestrigen Abend A. erzählte, dass ihr Vater und sie ab und zu da waren. Sie hatte an das Haus keine lebhaften Erinnerungen mehr, weil sie da noch jünger war als ich, aber wenn er uns das Mal gesagt hätte! Wir hätten ein völlig anderes Gefühl gehabt, als wir dort eingestiegen sind oder wenn wir dort Kirschen pflücken waren! A. und ich könnten uns schon mit 11 und 6 oder jeweils weniger Jahren gesehen haben. Vielleicht haben wir mal zusammen gespielt und saßen mit meinem Bruder auf den Schaukeln oder pflückten zusammen Blümchen oder fütterten die Hühner. Da waren ja nunmal ab und zu Nachbarskinder mit denen wir spielten. Das könnte A. gewesen sein. Nun gibt es ja vielleicht jemanden, der mir das sagen kann! Ein ganz merkwürdiges Gefühl, wie klein diese Stadt ist. Aber es klingt als trage das Leben bei Tante Helmi noch einen Hauch Schicksal in mein Leben. Das finde ich unglaublich und unmessbar schön. Es schafft mir innere Harmonie. Dieses warme Glücksgefühl, dass auch die Gegenwart durchzogen ist von ihrer Liebe. Auch meine Mama erinnert sich sogar dass Tante Helmi über diese Leute gesprochen hat. Mama war ja viel seltener da. Als sie aber von mir die Namen heute hörte, war ihr sofort klar, dass das das Paar gewesen sein muss, welches nach ihrem Auszug Tante Helmi noch besuchte. Sie hatte auch nicht gewusst dass A. mit diesen Leuten zu verbinden ist. Ich habe Gänsehaut. Aufgedreht bin ich auch. Ein richtig schönes Gefühl...

1.3.15 19:52


 [eine Seite weiter]
Gratis bloggen bei
myblog.de