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Manchmal braucht man Abstand vom Alltag in dem man lebt - dann macht man Urlaub. Ab und zu braucht man Abstand von der ganzen Welt und den Menschen – dann übt man Selbstfindung im Universum der Meditation mit sich ganz alleine. In seltenen Fällen braucht man Abstand von sich selbst – dann stürzen sich viele Menschen in neue Umfelder und Bekanntschaften oder sie trainieren ihre Schauspielqualität. Ich aber, ich bräuchte im Moment Selbstfindung, Integrität und Wandel. Weder fühle ich mich in meiner Bestimmung als Mensch in dieser Gesellschaft gefestigt, noch bin ich innerlich oder äußerlich mit mir zufrieden. Lachen kann ich und lieben kann ich auch. Zumindest das noch. Nun merke ich aber immer mehr dass ich wieder antriebsloser und müder werde. Ich nehme zu und ich bin ständig erkältet. Nicht gut. Meinem Bruder geht es auch nicht gut. Trennung, Depression hervorgehend aus Selbstzweifeln. Er findet sich gerade erst und muss einen Weg erkämpfen bergauf zu finden. Mehr als für ihn da zu sein wenn er mich braucht ist bei der Entfernung leider ziemlich erschwert, aber ich versuche es und jeden Tag frage ich mich ob es bei ihm voran geht und ob er wenigstens fünf Minuten am Tag lachen kann. In NRW tobte Sturm während ich in Holland im Zelt schlief. Dort war der Sturm auch zu spüren. Jede Nacht blitzte es und der Regen musizierte auf den Zeltplanen und dem alten Bulli, sodass viele Geräusche melodisch rauschten und der Radioton aus dem Waschhaus, welches nur wenige Meter entfernt war konnte man nur dann hören wenn weder Wind noch Regen oder Donner erklangen. Wenn ich wach wurde war mir bitter kalt und durch die Luftmatratze merkte ich die Kälte des Bodens, durch die Bodenplane die Wiese, durch die Zeltplanenwände die Feuchte. Dann aber musste ich lächeln. Auch wenn ich bei Tag auf der Decke in der Sonne saß fühlte ich immer Grashalme und saß ich auf Stühlen dann zog ich die Schuhe aus. Ich laufe gerne Barfuß oder vergrabe meine Füße im Sand am Strand oder steche beim Dünenwandern die Zehen in den feinen Sand, sofern nicht überall Muschelschalen liegen. Ich möchte im Wald meine Wangen auf Moos legen und Rinde von den Bäumen fühlen. Das klingt so unnormal für einen Menschen der normal sein möchte. Oft wünsche ich mir einen Menschen der meine schönen Seiten sieht und einfängt wenn ich glücklich bin. Ich möchte mir Fotos ansehen können auf denen es egal ist dass ich an mir nur mein Gesicht mag und eigentlich 40 kilo abnehmen muss. Ich sehe so etwas manchmal in Bekannten. A. zum Beispiel. Häufig sehe ich sie an und finde sie wunderschön. Sie inspiriert mich zu fantasievollen Szenen die ich gerne aufbauen, fotografieren und für immer festhalten möchte. Mein Blick fällt manchmal nur flüchtig auf Dinge oder Lebewesen oder Szenen und plötzlich fällt mir darin unglaubliche Ästhetik in der Perspektive, Sympathie in der Stimmung und Schönheit in der Gesamtheit auf. Da war eine Mohnblume um sieben Uhr in der Früh und alles um sie war grün und jede andere Knospe geschlossen, so dass sie einsam da stand und doch stolz und auffällig knallig rot. Als wir im Urlaub einen Halt machten und vier von uns einkaufen waren, blieb ich beim Bulli. Auf der anderen Seite des Parkplatzes saß eine graue Katze. Ich blinzelte sie an, bat sie zu mir zu kommen und sie kam. Überraschend zutraulich setzte sie sich zu mir. Jeder sonst fand sie schmutzig. Katzen Baden im Sand. Als über den Bulli ein Storch hinweg flog wurde ich ein wenig verhöhnt. „Wer jedes Vieh auf der Straße streichelt findet auch 'n Storch wunderschön!“. Er war es. Aber die anderen interessierte auf der Autobahn eher Dosenbier und Burgerking.

13.6.14 22:40


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