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Manchmal, wenn die Sonne im Herbt scheint und es nach modrigem Laub riecht, alles gold und braun-rot wird und der Wind weht ... dann bekomme ich ein ziehen in der Brust. Es ist eigenartig. Vorher kann es noch so schön oder hektisch gewesen sein. Mit einem mal ist das Gefühl da. Wie ein inneres Grollen. Ich hab das ab und zu. Vielleicht vier oder fünf mal auf ein Jahr verteilt. Als stünde etwas bevor, vor dem ich Furcht habe. Ehrfurcht oder Angst. Im Herbst habe ich eine Ahnung warum. Ich hab immer gedacht, es würde diesen Grund haben und stempelte es als Schuldgefühl ab oder befürchtete ich würde vom Innersten daran erinnert, dass es niemals wieder gut werden würde, wobei einmal das Beste mir nah lebte, das ich jemals hätte haben können. Ein Strohalm. Ich wollte nie komplett loslassen. Ein paar mal sagte mir C., dass ich riechen könne wie der Herbst. Im Herbst fühlte ich mich öfter einsam, egal wer bei mir war. Dieses aber ist das erste Jahr, in dem es anfängt sich befremdlich und unrecht anzufühlen. Ich tue jemandem unrecht. Damit, dass es immer in mir war und ich es nie jemandem gesagt habe. “Spätestens wenn das Jahrzehnt voll ist...“ dachte ich schon mal. “Irgendwann verjährt das“. Es wurde eine Art Geheimnis. Jetzt fühle ich mich tatsächlich, als tue ich dem unrecht, der meine ganze Welt verändert hat. Ich möchte es ihm sagen und nicht sagen. Während ich schreibe klingt das Gefühl schon ab. Also nicht? Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich würde mir das Gefühl aus dem Kopf schießen, wenn ich es könnte. Klärung ist keine Frage. Da ist nur mein eigenes verwirrtes Ich, die Gegenseite existiert nicht oder nicht in der Form, welche mich so einnimmt. Mit A. konnte ich Kontakt aufnehmen, ohne klären zu müssen, weil wir wussten, dass Überreaktionen und Vorwurfskarousssel nicht weiterbringen, aber man einander vermisst. Man verabredet sich zum Gespräch und weiß, dass dieses auch ein Neustart sein könnte. Wenn nicht, dann leider nicht. Erwachsenwerden ist Veränderung. Gern würde ich dem Gefühl sagen es solle auf einen Spatziergang mitkommen. Möglicherweise ist dies hier mein Spatziergang. Ich will um Gottes willen M. nicht verlieren. Ihr würdet euch vielleicht verstehen. Du mit ihm nicht. Er mit dir. Ich möchte ihn für immer behalten. Den schönsten Menschen, der mich tatsächlich will, für mich kämpft, sich einsetzt, mit dem sogar konform geht wie ich meine hypothetischen Kinder im Bezug zur Religion erziehen möchte, was heutzutage oftmals schon im Keim für Reibereien sorgen würde oder verlacht und weggeschoben wird. Nicht von ihm. Er ist ein Wunder auf dieser Welt und ich habe Angst zu dumm, zu kühl, zu fordernd oder zu zurückhaltend zu sein. Ich bin widersprüchlich. Aber er läuft nicht weg. Eher legt er alles aus der Hand und hält nur mich. Mein Grollen ist das letzte große Geheimnis. Vor ihm das letzte überhaupt. Für mich dann jetzt keines mehr. Hoffentlich ist das eine gute Entscheidung. Genusstherapie hat mir gezeigt wie mich Düfte an meine Mutter, alte schöne Zeiten und richtige Vetluste erinnern und alles was man mir sagte ist, dass das auch schön sei. Ein schweres Gefühl ist kein schlechtes Gefühl. Verdrängungskünstler befreien sich durch Verarbeitung. Also rieche ich Herbst-Sonnenschein jetzt absichtlich? Ich weiß nichtmal zu benennen was genau ich da fühle, bloß würde ich gern nochmal durch die Zeiten gehen, die ich niemals zurück will. Weil ein Teil davon in meinem Kopf noch immer den​ Ruf hat für mich das Beste gewesen zu sein und vielleicht möchte mein heutiges Ich noch zum Abschied sagen, dass ich jetzt in guten Händen bin und die schönen Zeiten nie vergesse. Wohlmöglich sind die auch für immer. Ich würde gern sagen können wie sehr es schmerzt und wie schön es war... aber außer es getan zu haben brächte es mir nichts und ich wollte es nie tun, weil der Schmerz bisher größer war als das schöne Gefühl. Jetzt muss ich neu bewerten. Löschen geht nicht.
16.10.17 14:26


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